Marianne Seger

Autor: Marianne Seger

Halitosis (lat. Halitus: Hauch, Dunst) ist der Oberbegriff für Mundgeruch, eine Krankheit, die in verstärkter Form nicht nur durch den Mund, sondern auch bei der Nasenatmung zu riechen ist. Dabei handelt es sich um einen deutlich wahrnehmbaren Geruch, der über der sozial verträglichen Akzeptanz liegt.

Es wird zwischen verschiedenen Arten von Halitosis unterschieden:

Die echte Halitosis, bei der schlechter Atem objektiv existiert, unterteilt sich in die physiologische und pathologische Halitosis. Sowohl die physiologische als auch die pathologische Haliosis haben großteils orale Ursachen. Während die physiologische Halitosis nicht durch spezifische Erkrankungen, sondern hauptsächlich von der dorsalen Region der Zunge verursacht wird, hat die pathologische Halitosis oft Erkrankungen, einen pathologischen Prozess in der Mundhöhle oder eine Funktionsstörung des Mundgewebes als Ursache. Sie kann außerdem von extraoralen Faktoren (z.B. Geruch aus Nase, Nasennebenhöhlen, Kehlkopf oder Verdauungstrakt) verursacht werden.

Bei der Pseudohalitosis wird der Mundgeruch nur vom Patienten wahrgenommen, er ist jedoch nicht messbar und wird auch von anderen nicht bemerkt.

Eine extreme Form der Pseudohalitosis ist die Halitophobie. Leidet ein Patient unter Halitophobie, so lässt er sich auch nach ausführlicher Diagnostik nicht davon überzeugen, dass sein Mundgeruch fiktiv ist. Halitophobie wird zu den psychischen Zwangsstörungen gezählt. Eine Studie der Universität Leuven zeigt, dass fast 16 % der 2.000 Studienteilnehmer unter Pseudohalitosis oder sogar Halitophobie leiden.[1]

Häufigkeit von Halitosis

Da Angaben über die Häufigkeit von Mundgeruch durch Befragungen der Bevölkerung subjektiv verfälscht sind, lässt sich darüber nur schwer eine Aussage treffen. Verschiedene Studien weisen aber darauf hin, dass Halitosis eine weit verbreitete Krankheit zu sein scheint: Seemann (1999)[2] stellte fest, dass Mundgeruch unabhängig von kulturellen Hintergrund bei ca. 25 % der Weltbevölkerung vorkommt. In einer Untersuchung aus den USA gaben sogar 43 % der über 60-Jährigen an, unter wiederkehrendem Mundgeruch zu leiden,[3] was darauf hinweist, dass ältere Menschen häufiger betroffen sind als jüngere.

Ursachen für Halitosis

Die häufigste Ursache von Halitosis liegt innerhalb des Mundbereichs (93 %).[4] Dabei ist vor allem die metabolische Aktivität oraler Bakterien dafür verantwortlich, was folgende Beobachtungen zeigen: Viele orale Bakterien produzieren in Rein- oder Mischkulturen aus Speichel, Plaque oder Zungenbelag in vitro flüchtige Schwefelverbindungen (VSC), kurzkettige Fettsäuren und Cadaverin – alles Bestandteile, die in der Ausatmungsluft zu finden und verantwortlich für deren Geruch sind.[5] Der Biofilm auf der Zunge beherbergt besonders viele solcher Mikroorganismen, die verschiedene Nahrungssubstrate (z.B. Aminosäuren) in stark riechende flüchtige Verbindungen verwandeln.[6]

Zungenbelag kann also zu den häufigsten Ursachen für Halitosis gezählt werden (51 %).[7] Gerade Patienten mit tiefen Zahnfleischtaschen (> 4mm) haben auch mehr Zungenbelag.[8]

Weitere orale Ursachen sind Parodontitis (17 %), Gingivitis (15 %) oder andere Mundkrankheiten (17 %).[9] Ursachen im HNO- und im Magen-Darm-Bereich Bereich sind vergleichsweise selten (7 % der Fälle).[10]

Halitosis ist also ein Fall für die zahnärztliche Praxis.

[1] Quirynen, Marc, et al. "Characteristics of 2000 patients who visited a halitosis clinic." Journal of clinical periodontology 36.11 (2009): 970-975.
[2] Seemann R: Halitosis – ein multikausales Problem. Zahnärztliche Mitteilungen 89 (1999), 1794-1796
[3] Loesche WJ, Grossman N, Dominguez L, Schork MA. Oral malodour in the elderly. In: Van Steenberghe D, Rosenberg M (Hrsg.) Bad Breath. A multidisciplinary approach. Leuven: University Press 1996.
[4] Rosenberg M: The science of bad breath. Sci Am 286 (2002), 72-79
[5] s. z.B. Kleinberg I., Codipilly M.: Oxygen depletion by the oral microbiota and its role in oral fomation. In: Van Steenberghe D., Rosenberg M. (Hrsg.): Bad Breath. A multidisciplinary approach. Leuven: University Press 1996.
[6] Tonzetich, Joseph. "Production and origin of oral malodor: a review of mechanisms and methods of analysis." Journal of periodontology 48.1 (1977): 13-20.
[7] Delanghe, D. et al.: Halitosis - foetor ex ore. Laryngorhinootologir, 1999 Sep; 78(9): 521-4.
[8] Delanghe, D. et al.: Halitosis - foetor ex ore. Laryngorhinootologir, 1999 Sep; 78(9): 521-4.
[9] Delanghe, D. et al.: Halitosis - foetor ex ore. Laryngorhinootologir, 1999 Sep; 78(9): 521-4.