Marianne Seger

Autor: Marianne Seger

 

 

 

 

Mundgeruch ist ein heikles und sehr intimes Thema, das aus Furcht vor unerwünschten Reaktionen vielleicht erst gar nicht angesprochen wird. Man möchte niemanden verletzen oder beleidigen.

Es ist sehr wichtig, sich bewusst zu machen, dass man den Patienten mit dieser Frage aber nicht schadet, sondern ganz im Gegenteil versucht, ihnen zu helfen! Diese Haltung erfordert Mut und Selbstvertrauen – und das ist der erste Schritt zu einem erfolgreichen Gespräch mit den Patienten. Es ist natürlich einfacher, Bestandspatienten auf dieses Thema anzusprechen, denn hier besteht schon eine Beziehung, es ist eine Vertrauensbasis vorhanden.

Auch kleine rhetorische Kniffe können dabei helfen, das Gespräch angenehmer zu gestalten: Sprechen Sie in ich-Form und generalisieren Sie nicht: „ICH habe den Eindruck… MIR kommt es so vor…“. So wird das Gespräch persönlicher und Sie geben dem Patienten die Möglichkeit, auch seine Meinung zu diesem Thema zu äußern. Sprechen Sie im Konjunktiv („könnte es sein…, wäre es möglich…“) und verwenden sie Abtönungspartikel wie „vielleicht“ und „eventuell“; Aussagen werden so abgemildert und erscheinen weniger hart.

Eine wichtige Frage ist auch, wer das Thema zuerst anspricht – Zahnarzt/Zahnärztin, zahnmedizinische Mitarbeiterin oder die Patienten selbst? Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Am einfachsten ist es natürlich, wenn der Patient selbst dieses intime Thema anspricht. Kommt der Impuls von ihm, ist die Gefahr kaum gegeben, dass er sich angegriffen fühlt.
  • Die Frage nach Mundgeruch kann auch bereits im Anamnesebogen integriert werden. So schätzt sich der Patient selbst ein und gibt, sollte er dort andeuten, unter Mundgeruch zu leiden, dem zahnärztlichen Team das Signal, ihn auf dieses Thema anzusprechen
  • Eine Möglichkeit ist auch, dass die Person, die die professionelle Zahnreinigung ausführt, dieses Thema anspricht.
  • Bieten Sie eine Mundgeruchsprechstunde an, für die ein gesonderter Termin unabhängig von der Vorsorgeuntersuchung gemacht werden muss. In diesem extra Zeitfenster ist Platz für das intime Thema und der Patient weiß genau, was ihn dort erwartet. Vor der Mundgeruchsprechstunde sollten die Patienten jeweils einen Fragebogen beantworten, der erste Hinweise liefert. Eine anerkannte Vorlage für einen Halitosis-Fragebogen gibt es beispielsweise von der Universität Basel hier.

Auch beim Anamnese-Gespräch gibt es einige Faktoren, die die Situation erleichtern: Das Gespräch sollte „auf Augenhöhe“ stattfinden; der Patient sitzt zwar auf dem Behandlungsstuhl, aber dieser ist so eingestellt, dass der Patient gerade sitzt. So fällt es leichter, Vertrauen zu fassen und offen über intime Probleme zu sprechen. Auch sollte das Gespräch nicht durch Hintergrundtätigkeiten anderer Personen im gleichen Raum gestört werden.

Sinnvoll ist es außerdem, zuerst eine instrumentelle Messung durchzuführen. Hier bekommt der Patient Ergebnisse, die er nachvollziehen kann, da sie objektiv gemessen werden, bevor die Diagnose durch die subjektive organoleptische Messung vervollständigt wird.

Damit Therapieerfolg und Patientenzufriedenheit gewährleistet sind, ist es wichtig, dieses Thema selbstbewusst und offen anzusprechen und durch einen klar standardisierten Ablauf deutlich zu machen, dass es sich bei Mundgeruch nicht um einen Einzelfall, sondern um eine verbreitete Krankheit handelt.